EXTRAIT DE PARFUM VS EAU DE PARFUM
Gleiche Welt. Unterschiedliche Konzentrationen. Ziemlich viele Missverständnisse.
Du kennst die Namen. Eau de Toilette. Eau de Parfum. Extrait de Parfum.
Klingt kultiviert, oder? Sehr französisch. Sehr seriös. Aber was bedeuten sie eigentlich? Und ist ein Extrait automatisch der bestgekleidete Gast auf der Party?
Nicht unbedingt.
Rücken wir ein paar Dinge gerade.
ZUERST DIE ZAHLEN.
Die meisten Parfums entstehen, indem ein Duftkonzentrat mit Alkohol kombiniert wird. Das Konzentrat enthält die aromatischen Materialien, aus denen der Duft besteht, während der Alkohol hilft, sie zu verteilen.
Die Konzentration ist einfach der prozentuale Anteil dieses Konzentrats im fertigen Parfum.
So sieht das im Groben aus.
| Duftart | Typische Konzentration |
|---|---|
| Eau de Cologne | 2–5% |
| Eau de Toilette | 5–15% |
| Eau de Parfum | 15–20% |
| Extrait de Parfum | 20–40% |
Das sind Branchenkonventionen, keine allgemein festgelegten rechtlichen Definitionen. Es gibt Überschneidungen, und verschiedene Häuser haben ihre eigenen Ansätze.
Bei SPITEFUL AUGUST entstehen unsere Extraits mit einer Konzentration von etwa 30–33%.
Eine ziemlich großzügige Portion Parfum, könnte man sagen.
MEHR KONZENTRAT. MEHR POWER?
Jetzt wird es interessant.
Es gibt die verbreitete Annahme: Je höher die Konzentration, desto stärker das Parfum, desto weiter strahlt es aus und desto länger hält es.
Wenn Parfümerie doch nur so einfach wäre.
Manche aromatischen Materialien haben eine außergewöhnliche Diffusion. Eine winzige Menge kann sich quer durch den Raum bemerkbar machen. Andere sind viel intimer und bleiben nah an der Haut, selbst wenn sie großzügig eingesetzt werden.
Und die Haltbarkeit? Die hängt von den Materialien ab, von ihrer Flüchtigkeit, ihrer Substantivität und davon, wie die gesamte Komposition aufgebaut ist.
Ein wunderschön formuliertes Eau de Parfum kann einen mittelmäßigen Extrait absolut übertreffen.
Ein Extrait ist aber auch nicht automatisch leiser. Manche flüstern. Manche haben absolut nicht vor, sich zu benehmen.
Mehr Konzentrat bedeutet nicht automatisch mehr Performance. Die Magie liegt in der Formulierung.
WARUM MACHEN WIR ALSO EXTRAITS?
Weil Scott, unser Parfümeur, mag, was er damit anstellen kann.
Ihn interessiert besonders, was nach der Eröffnung passiert. Wenn der erste Eindruck seinen Moment hatte, beginnen die Materialien sich zu verschieben, und der Duft zeigt nach und nach andere Seiten von sich.
Mit einer höheren Konzentration zu arbeiten, gibt Scott eine weitere kreative Variable zum Spielen. Sie kann die Textur, die Balance und das Verhalten einer Komposition beeinflussen.
Aber es gibt einen Haken.
Mehr ist nicht immer besser.
Erhöhst du die Konzentration, ohne die Formel zu berücksichtigen, kann am Ende etwas Schweres, Unausgewogenes oder überraschend Flaches herauskommen. Bestimmte Materialien können dominieren, während andere im Hintergrund verschwinden.
Nicht ganz der große Auftritt, auf den du gehofft hattest.
Scott baut jeden Duft mit seiner vorgesehenen Konzentration im Kopf. Jedes Material hat einen Zweck, und jede Formel muss sich ihren Platz verdienen.
Für uns ist Extrait kein Abzeichen der Überlegenheit. Es ist eine kreative Entscheidung.
Und eine ziemlich vergnügliche noch dazu.
DIE KUNST DES ÜBERGANGS.
Hier ist etwas, das Scott besonders interessiert.
Ein Parfum muss nicht unbedingt vom Moment des Aufsprühens bis zu dem Moment, in dem es verschwindet, gleich riechen.
Während verschiedene Materialien verdunsten und sich ihre Anteile zueinander verändern, entwickelt sich der Duft. Was dir in der Eröffnung auffällt, kann ganz anders sein als das, was du zwei Stunden später entdeckst.
Traditionell beschreibt die Parfümerie das mit Kopf-, Herz- und Basisnoten. Das ist eine nützliche Art, es zu erklären, auch wenn die Realität deutlich komplizierter ist.
Und nein, ein Extrait entwickelt sich nicht automatisch langsamer als ein Eau de Parfum. Auch das ist ein Missverständnis, das in Rente gehen darf.
Bei SPITEFUL AUGUST sind die Übergänge gewollt.
CÁRDA bewegt sich von seiner ungenierten Kardamom-Eröffnung zu etwas Weicherem und Wärmerem. BOHEMIA führt seinen dunklen Patchouli-Charakter an einen unerwartet cremigen Ort. Und COYA spielt mit dem Kontrast zwischen strahlend grünen Zitrusnoten, rosigen Blütennoten und einem warmen Wildleder-Eindruck.
Sie sind nicht einfach dafür gemacht, fünf Minuten lang gut zu riechen.
Sie sind dafür gemacht, deine Aufmerksamkeit zu halten.
TRAG ES MIT ÜBERZEUGUNG.
Mit der Idee, dass Parfum immer dezent sein sollte, können wir nicht besonders viel anfangen.
Wenn du etwas gefunden hast, das du gern trägst, dann genieß es auch.
Trag es auf deine Pulspunkte auf. Handgelenke, Hals, Armbeugen. Auch Kleidung kann Duft wunderbar halten, wobei wir empfehlen, empfindliche Stoffe vorher zu testen.
Haare können Duft besonders gut tragen, aber sprüh alkoholbasiertes Parfum nicht direkt auf die Kopfhaut und tränk deine Haare nicht immer wieder damit.
Und nun ein Wort an alle, die ihr Parfum verreiben.
Ihr wisst, wer gemeint ist.
Wenn du deine Handgelenke aneinanderreibst, zerstört das nicht buchstäblich Duftmoleküle, egal was du vielleicht gehört hast. Aber es kann das Parfum verteilen und beeinflussen, wie es von deiner Haut verdunstet.
Also sprüh es auf. Lass es in Ruhe. Lass die Komposition ihr Ding machen.
Den komplizierten Teil hat Scott schon erledigt.
DAS LETZTE WORT.
Eau de Toilette, Eau de Parfum und Extrait de Parfum sind keine Rangordnung aus gut, besser und am besten.
Es sind unterschiedliche Ansätze bei der Konzentration.
Ein großartiges Parfum definiert sich nicht über eine Prozentzahl auf dem Etikett. Es definiert sich über die Materialien, die Fantasie dahinter und das Können, alles zusammenzubringen.
Wir machen Extraits, weil Scott Freude an den Möglichkeiten hat, die sie bieten, und weil sie zu den Düften passen, die wir erschaffen wollen.
Eigenständige Kompositionen. Ausgeprägte Persönlichkeiten. Ein bisschen unerwartetes Verhalten.
For cool cats. Not copycats.
Denn ein Parfum zu kreieren ist eine Sache. Etwas Originelles zu kreieren ist alles.